Mozarts Reisen


Mozart reist

Mozart  wurde 35 Jahre, zehn Monate und neun Tage alt. Davon ist er 3720 Tage, das sind 10 Jahre, zwei Monate und acht Tage auf Reisen. Mozart ist - rechnet man die frühste Kindheit ab - ein Drittel seines Lebens unterwegs.

Die Planung und Organisation aller Reisen von 1762 - 1773 erfolgten durch seinen Vater Leopold.

Reisen im 18. Jahrhundert

Im Zeitalter der Aufklärung finden sich unter den Reisenden Adelige, Diplomaten, Wissenschaftler, Künstler und Kunsthandwerker. Aber  auch Frauen reisen, wie Mozarts Mutter Anna Maria und seine Schwester Nannerl.

Reisezweck der Studien- und Gelehrtenreisen  sind Aus- und Fortbildung, Kontaktaufnahme mit anderen Gelehrten - bei den Mozarts mit Musikern und Musiktheoretikern , Kenntnisnahme von Lehrmeinungen und Austausch von akademischen Erfahrungen.

Reisen ist im 18. Jahrhundert beschwerlich. Viele Fuhrwerke und Kutschen, auch die der Mozarts, bleiben im Morast stecken. Wegelagerer, besonders in Italien, lauern auf ihre Beute. Beklagt wird immer wieder der primitive Straßenbau. Reisen sind schmerzhaft und anstrengend.

Die Entfernung zwischen zwei Etappen (Posten) beträgt ca. 25 km oder 15 Meilen, die Reisegeschwindigkeit je nach Straße, Gelände, Jahreszeit und Wetter zwischen 5,5 und 7,5 km in der Stunde, das heißt von Etappe zu Etappe 3 ½ bis 4 ½ Stunden. Der Pferdewechsel in den Poststationen dauert oft bis zu zwei Stunden. Für die Distanz Salzburg-München braucht man damals zwei Tage, heute fährt der Intercity die Strecke bequem und komfortabel in ca. 90 Minuten.

Die Reiseunterkünfte sind oftmals unzureichend, feuchte Zimmer und ungenügende Hygiene sind an der Tagesordnung. Zechprellerei, Kontributionen, Diebstahl, Trinkgelage und Unzucht gehören zum "schlechten" Ton der Zeit. Die Gefahren einer Reise sieht man vor allem in den drei großen Ws: Wein, Weiber, Würfel.

Als die Familie Mozart am 6. Juni 1763 Salzburg verlässt und die Westeuropareise antritt, erlebt sie die Umwälzungen in Europa, die man unter dem Schlagwort "Aufklärung" zusammenfassen kann.
 
Mozart sieht in seinem Leben die folgenden zehn Länder von heute: Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz, Slowakei und Tschechien mit mehr als 200 Orten und Städten. Sie vermitteln ihm bleibende Eindrücke, formen ihn. Sein kompositorisches Schicksal wäre sicher anders verlaufen, wäre er nicht so viel gereist.

Mozart und seine wichtigsten Reisen

W.A. Mozart reiste gern und viel. Ihr Wert für Mozarts Entwicklung und sein musikalisches Werk ist unbestritten.

Zu den wichtigsten Reisen zählen die "Große Westeuropreise" (1763 - 1766), seine drei Italienreisen und seine Parisreise mit Aufenthalten in München, Augsburg und Mannheim, wo er die Musikerfamilie Weber kennen lernte. Die Familie Mozart reiste dreimal nach Wien, beim vierten Mal kehrte Mozart nicht mehr nach Salzburg zurück.

Die große Europareise

Als die Familie Mozart am 6. Juni 1763 Salzburg verlässt und eine dreieinhalbjährige Westeuropareise antritt, erlebte sie weit reichende Umwälzungen in Europa. Der Vater Leopold nutzte die Gunst der kriegslosen und entspannten Zeit, um diese Expedition an die europäischen Höfe zu wagen. Die Reise führte die Familie über München nach Augsburg, weiter nach Ulm, Mannheim und Frankfurt, wo der vierzehnjährige Goethe die Wunderkinder hört. Über Köln, Aachen, Brüssel ging es weiter nach Paris, wo die Familie fünf Monate blieb. Mozart veröffentlichte in Paris seine ersten Werke, nach sechs Wochen traf die Einladung an den Hof König Ludwigs XV. ein. Auch vor der mächtigen Geliebten des Königs, der Marquise de Pompadour, spielten die Wunderkinder. Der Erfolg in Versailles bedeutete den endgültigen Durchbruch in Frankreich. Im April 1764 ging die Reise weiter nach England. Mozart komponierte seine ersten Symphonien und machte Bekanntschaft mit Johann Christian Bach. Die Reise führte die Familie wieder zurück nach Holland, Belgien und Frankreich. Erneuter Aufenthalt in Paris für zwei Monate. Durch die Schweiz reiste man weiter nach München und zurück nach Salzburg, wo man am 29. November 1766 ankam.

Die drei Italienreisen

Die erste Italienreise (Dezember 1769 . März 1771) war genussvoll und ehrenvoll zugleich. Sie brachte Mozart neue Kenntnisse und Ideen, trug zu weiteren Erfahrungen und zu vielfältigem Geschmack in seiner Kunst bei. Mozart wird in die italienische Kunstszene eingeführt, macht Bekanntschaft mit dem italienischen Großbürgertum, der Noblesse, dem höheren Adel und kirchlichen Würdenträgern bis hin zum Papst. Er trifft den alten Freund aus London, den Kastraten Manzuoli, und lernt in Florenz ein gleichaltriges Wunderkind kennen: Thomas Linley. Zwischen den zwei Knaben entwickelt sich eine herzliche Freundschaft. Im Juli 1770 verlieh Papst Clemens XIV. W. A. Mozart den "Orden vom Goldenen Sporn", damit wurde aus ihm der "Ritter von Mozart". In Bologna ging Mozart beim Franziskanerpater Martini in die Lehre und studierte den Kontrapunkt. In der Mailänder Oper dirigierte er seine Oper "Mitridate, Re di Ponto".

Im August 1771 machten sich Vater und Sohn Mozart erneut auf die Reise nach Mailand. Als Hochzeitsgeschenk für Erzherzog Ferdinand mit der Erbprinzessin von Modena sollte Mozart eine Festoper schreiben: "Ascanio di Alba". Die Uraufführung wurde eine voller Erfolg.

Oktober 1772 bis März 1773 waren die Mozarts erneut in Italien unterwegs. Mozart hatte einen weiteren Opernauftrag aus Mailand erhalten, nämlich für die Oper seria "Lucio Silla". Am 26. Dezember 1772 findet die Premiere in Anwesenheit von Erzherzog Ferdinand und seiner Frau im Regio Ducal Teatro statt. Die Oper wird in der Karnevalssaison 1772/73 noch 25mal wiederholt.

Leopold´s Wunsch für Wolfgang eine Anstellung in Florenz zu bekommen war wie in Mailand nicht erfolgreich. Ursache dafür dürfte höchstwahrscheinlich eine negative Intervention seitens der Kaiserin Maria Theresia gewesen sein.

Parisreise

 (1777 / 1779)  W. A. Mozart reiste mit seiner Mutter nach Paris, da der Vater vom Hofe nicht mehr beurlaubt wurde. Vordringliches Ziel der Reise war es, eine Anstellung an einem der europäischen Höfe zu erhalten. Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt. Weder in München, noch in Mannheim. Dafür hatte Mozart umso mehr Spaß in Augsburg, wo er sein "Bäsle" traf und sich eine innige Freundschaft entwickelte. In Mannheim verlebte Mozart, abgesehen vom fehlenden Geld, eine schöne Zeit: Er schwelgte im herrlichen Klang des Mannheimer Orchesters, das damals seine glanzvollste Zeit hatte. Die Absage vom Kurfürsten kam sechs Wochen später. Die Weiterreise nach Paris verzögerte sich, da Mozart es vorzog, mit der Musikerfamilie Weber zu reisen. Die Mutter ließ er zurück. Zu dieser Zeit verliebte er sich in Aloysia Weber. Die Familie plante eine Italienreise, auf der Mozart sie nur allzu gerne begleitet hätte. Doch der strenge Vater in Salzburg tobte. Endlich im März machte er sich mit der Mutter auf die Weiterreise nach Paris. Diese Reise war ein Opfer an den Vater. Die Zeit in Paris blieb erfolglos. In dieser Zeit starb Mozarts Mutter nach schwerer Krankheit. Mozart selbst verließ Paris im September und kehrte über Mannheim und München nach Salzburg zurück.

Salzburg 1783

Mozart reist mit seiner Constanze nach Salzburg, um ihr seine Heimatstadt zu zeigen.

Prag 1787

Mozart reist in diesem Jahr zweimal nach Prag. Zum einen zur Aufführung seiner Oper "Die Hochzeit des Figaro", zum anderen für die Arbeiten zum "Don Giovanni", der in Prag uraufgeführt wird.

Dresden, Leipzig, Berlin 1789

Im April reiste Mozart auf Einladung von Karl Fürst Lichnowsky nach Berlin und war zum ersten Mal ohne seine Constanze unterwegs. Auch diese Reise hatte weder eine Anstellung noch einen Opernauftrag zur Folge.

Frankfurt 1790

Mozarts letzte große Reise zu den Festlichkeiten zu Leopolds Krönung zum deutschen Kaiser. Mozart hatte vergeblich auf eine Einladung gewartet und fuhr auf eigene Faust.

Prag 1791

Reise zur Krönung Leopold II. zum böhmischen König und zu "La Clemenza di Tito".